
„Wenn ich morgens die Nachrichten lese, ist der ganze Tag schwer. Aber dann gehe ich zu Frau L., sie macht Tee, und es wird ein bisschen leichter.“ Das hat uns eine Helferin aus Saporischschja erzählt. Viele von Ihnen tragen viel mit sich: die Sorge um Familie und Freunde, Heimweh, Erinnerungen, Müdigkeit. Und trotzdem schenken Sie anderen Menschen jeden Tag Wärme. Dieser Beitrag ist für Sie. Er soll zeigen, was helfen kann und wo es Unterstützung gibt.
Was Sie fühlen, ist verständlich
Trauer, Unruhe, schlechter Schlaf, Gereiztheit oder das Gefühl, innerlich leer zu sein: Das sind häufige Reaktionen auf das, was Menschen durch Krieg und Flucht erlebt haben. Sie bedeuten nicht, dass mit Ihnen etwas nicht stimmt. Oft werden sie mit der Zeit leichter, besonders wenn man nicht allein bleibt. Manchmal braucht es aber auch mehr Unterstützung, und das ist kein Zeichen von Schwäche.
Kleine Dinge, die Halt geben
Niemand muss alles auf einmal lösen. Viele unserer Helferinnen und Helfer erzählen, dass ihnen diese Dinge guttun:
- Nachrichten bewusst begrenzen, zum Beispiel nur zweimal am Tag und nicht vor dem Schlafen
- feste Zeiten, um mit der Familie zu telefonieren
- Bewegung an der frischen Luft, auch nur ein kurzer Spaziergang
- Menschen treffen, mit denen man in der eigenen Sprache lachen kann
Auch das Helfen selbst gibt vielen Kraft. Gebraucht zu werden, ein Danke zu hören, mit einer älteren Dame über ihre Kindheit zu sprechen: Das kann die eigenen Sorgen für eine Weile leiser machen. Trotzdem gilt: Sie müssen nicht immer stark sein. Wenn Sie eine Pause brauchen, sagen Sie es uns.
Reden hilft, auch in Ihrer Sprache
Die TelefonSeelsorge ist rund um die Uhr erreichbar, kostenlos und vertraulich: 0800 111 0 111, 0800 111 0 222 oder 116 123. Dort wird Deutsch gesprochen. Es gibt auch einen Chat und Beratung per E-Mail.
Wer lieber auf Russisch spricht, kann das Telefon Doweria anrufen. Es gehört zur TelefonSeelsorge, wird von der Diakonie getragen und ist unter 030 440 308 454 rund um die Uhr erreichbar (TelefonSeelsorge: Doweria). Achtung: Für diese Nummer können je nach Tarif normale Gebühren für Anrufe nach Berlin anfallen.
Die frühere Helpline Ukraine der Nummer gegen Kummer mit Beratung auf Ukrainisch und Russisch wurde zum 1. Juli 2026 eingestellt (Nummer gegen Kummer). Wenn Sie die Nummer noch irgendwo finden, gilt sie nicht mehr.
Wenn es um mehr als Sorgen geht
Für Menschen, die Krieg, Flucht oder Gewalt erlebt haben, gibt es in Deutschland Psychosoziale Zentren. Sie bieten Beratung, Begleitung und auch Psychotherapie an, kostenlos und bei Bedarf mit Sprachmittlung. Eine Übersicht finden Sie beim Bundesverband Psychosozialer Zentren, früher BAfF, unter baff-zentren.org. Die Wartezeiten sind leider oft lang. Es lohnt sich trotzdem, sich zu melden.
Auch Ihre Hausärztin oder Ihr Hausarzt ist eine gute erste Anlaufstelle. Sie können Sie weitervermitteln. In einer akuten Krise, wenn Sie oder jemand anderes in Gefahr ist, wählen Sie den Notruf 112.
Hilfe bei Behörden und Alltag
Oft liegt die Last auch im Papier: Briefe vom Amt, Fragen zum Aufenthalt, zur Wohnung oder zur Arbeit. Dafür gibt es die Migrationsberatung für erwachsene Zuwanderer. Wohlfahrtsverbände wie Caritas, Diakonie, Deutsches Rotes Kreuz oder der Paritätische bieten sie vor Ort an, kostenlos. Über die App mbeon können Sie auch online per Chat Fragen stellen, eine Antwort kommt meist innerhalb von 48 Stunden. Was sich beim Aufenthalt gerade ändert, lesen Sie in Ehrenamt mit Schutzstatus aus der Ukraine.
Viele Städte haben ukrainische Vereine, Kirchengemeinden und Treffpunkte. Dort feiert man zusammen, kocht, singt und hilft sich gegenseitig. Fragen Sie bei der Migrationsberatung oder bei uns nach, was es in Ihrer Nähe gibt.
Ein kleiner Plan für schwere Tage
Manchen hilft es, für schwere Tage einen Zettel vorzubereiten. Darauf steht: Wen kann ich anrufen? Was tut mir gut, zum Beispiel ein Spaziergang, Musik, Kochen? Welche Nummer wähle ich, wenn es ganz schlimm wird? Wenn der Tag dann kommt, muss man nicht mehr nachdenken, sondern nur noch auf den Zettel schauen.
Häufige Fragen
Gibt es psychologische Hilfe auf Ukrainisch oder Russisch?
Auf Russisch ist das Telefon Doweria rund um die Uhr erreichbar. Psychosoziale Zentren für Geflüchtete arbeiten oft mit Sprachmittlung, auch auf Ukrainisch.
Ist es normal, sich nach Jahren noch so zu fühlen?
Ja, Heimweh und Sorge können lange dauern, besonders solange der Krieg andauert. Wenn die Gefühle den Alltag stark belasten, holen Sie sich Unterstützung.
Was kostet die Hilfe?
TelefonSeelsorge, Migrationsberatung und die Angebote der Psychosozialen Zentren sind kostenlos.
Sie sind hier nicht allein
Bei SKWT e.V. kommen viele unserer rund 90 Helferinnen und Helfer aus der Ukraine. Ihre Herzlichkeit spüren unsere Klientinnen und Klienten im Landkreis Waldshut und im Landkreis Konstanz jeden Tag. Wir wissen, dass diese Wärme manchmal aus einem schweren Herzen kommt. Wenn Sie reden möchten oder Unterstützung suchen, rufen Sie uns an: 07751 9212158, Montag bis Donnerstag von 9 bis 12 Uhr. Wir hören zu. Und wenn Sie Deutsch lernen möchten, um hier noch besser anzukommen, lesen Sie Deutsch lernen neben dem Ehrenamt.
