
„Ehrlich gesagt geht es mir gar nicht so sehr ums Putzen. Ich freue mich einfach, wenn jemand kommt.“ Das hat uns eine Dame am Telefon gesagt, und sie ist nicht die Einzige. Viele ältere Menschen leben allein. Die Kinder wohnen weit weg, Freunde sind gestorben, der Weg zum Bäcker ist beschwerlich geworden. Einsamkeit kommt oft leise. Sie ist keine Schwäche und nichts, wofür man sich schämen muss. Und es gibt Wege heraus, auch kleine.
Einfach mal reden: Telefone, die zuhören
Manchmal hilft es schon, eine freundliche Stimme zu hören. Dafür gibt es Angebote, die bundesweit und kostenlos erreichbar sind.
Das Silbertelefon von Silbernetz ist für Menschen ab 60 Jahren da. Unter 0800 4 70 80 90 ist es täglich von 8 bis 22 Uhr erreichbar, anonym und kostenlos (silbernetz.org/ueber-uns). Man braucht keinen besonderen Grund, der Wunsch zu reden genügt. Wer möchte, kann über diese Nummer auch eine Silbernetz-Freundschaft anfragen. Dann ruft einmal pro Woche zu einer festen Zeit eine ehrenamtliche Person an.
Die TelefonSeelsorge ist rund um die Uhr erreichbar, auch nachts und an Feiertagen. Die Nummern sind 0800 111 0 111, 0800 111 0 222 und 116 123 (telefonseelsorge.de). Auch hier ist der Anruf kostenlos und vertraulich. Die TelefonSeelsorge ist nicht nur für Krisen da, sondern auch für Menschen, die einfach jemanden zum Reden brauchen.
Raus aus der Wohnung, so gut es geht
Viele Städte und Gemeinden haben Seniorentreffs, Mittagstische, Erzählcafés oder Spielenachmittage. Kirchengemeinden, Sozialverbände und Vereine laden zu Ausflügen ein. Oft weiß das Rathaus, die Seniorenberatung oder der Pflegestützpunkt, was es vor Ort gibt. Auch das Silbertelefon kann Hinweise auf Angebote in der Nähe geben.
Der erste Besuch kostet Überwindung, das ist ganz normal. Es hilft, beim ersten Mal jemanden mitzunehmen oder sich abholen zu lassen. Wer nicht mehr gut zu Fuß ist, kann nach Fahrdiensten fragen.
Kleine Gewohnheiten, die tragen
Nicht jeder Tag braucht ein großes Programm. Oft sind es kleine feste Punkte, die Halt geben:
- jeden Tag zur gleichen Zeit eine Person anrufen, und sei es nur kurz
- einen festen Einkaufstag, an dem man bekannte Gesichter trifft
- die Zeitung oder ein Buch mit jemandem besprechen
- Fotos sortieren und dabei Geschichten aufschreiben oder erzählen
Angehörige, die weit weg wohnen, können feste Telefonzeiten verabreden. Ein Anruf am Sonntag um zehn wird schnell zu etwas, worauf man sich die ganze Woche freut.
Hilfe im Haushalt, die mehr ist als Hilfe im Haushalt
Wer einen Pflegegrad hat, kann über die Pflegekasse regelmäßige Hilfe im Alltag bekommen. Gedacht ist das Geld nicht nur fürs Putzen. Auch Gesellschaft leisten, gemeinsam spazieren gehen, vorlesen oder zum Arzt begleiten gehört dazu. Bezahlt wird das zum Beispiel aus dem Entlastungsbetrag von bis zu 131 Euro im Monat (§ 45b SGB XI). Wie das funktioniert, erklären wir in Die 131 Euro von der Pflegekasse und Haushaltshilfe über die Pflegekasse.
Bei uns erleben wir jede Woche, was ein fester Besuch bewirkt. Wenn immer dieselbe Helferin kommt, entsteht Vertrauen. Man trinkt zusammen einen Kaffee, erzählt von früher, lacht über dasselbe. Für viele unserer Klientinnen und Klienten ist das der schönste Termin der Woche. Und für unsere Helferinnen und Helfer übrigens auch.
Wer noch keinen Pflegegrad hat, aber merkt, dass der Alltag schwerer wird, sollte über einen Antrag nachdenken. Wie das geht, steht in Pflegegrad beantragen.
Wenn die Traurigkeit nicht weggeht
Einsamkeit und Niedergeschlagenheit hängen oft zusammen. Wenn jemand über Wochen kaum noch Freude empfindet, schlecht schläft oder sich zurückzieht, ist ein Gespräch mit der Hausärztin oder dem Hausarzt sinnvoll. Das ist kein Zeichen von Versagen. Depressionen im Alter sind gut behandelbar. Bei akuter Gefahr gilt immer der Notruf 112.
Für Angehörige: woran Sie Einsamkeit erkennen
Einsame Menschen sagen selten „Ich bin einsam“. Achten Sie auf leise Zeichen: Die Mutter erzählt am Telefon immer dasselbe, der Kühlschrank ist leer, die Wohnung wird unordentlicher, Termine werden abgesagt. Fragen Sie nicht „Bist du einsam?“, sondern lieber: „Mit wem hast du diese Woche gesprochen?“ Die Antwort sagt oft mehr.
Typische Fehler
Gut gemeint ist nicht immer gut gemacht. Ein Tablet zu verschenken, ohne es einzurichten und zu erklären, führt oft zu Frust. Auch ein voller Terminplan überfordert. Besser ist ein fester, verlässlicher Kontakt pro Woche als viele lose Angebote. Und bitte: nicht über den Kopf hinweg entscheiden.
Häufige Fragen
Wer hilft, wenn ich mich im Alter einsam fühle?
Kostenlos und anonym zum Reden: das Silbertelefon für Menschen ab 60 und rund um die Uhr die TelefonSeelsorge. Vor Ort helfen Seniorentreffs, Kirchengemeinden und Besuchsdienste.
Zahlt die Pflegekasse Gesellschaft und Spaziergänge?
Ja, wenn ein Pflegegrad vorliegt und ein anerkannter Dienst die Begleitung übernimmt. Bezahlt wird das zum Beispiel aus dem Entlastungsbetrag.
Was tun, wenn mein Vater keine Hilfe annehmen will?
Kleine Schritte gehen. Ein erstes Kennenlernen ohne Verpflichtung, ein gemeinsamer Besuch im Seniorencafé. Druck bewirkt meist das Gegenteil.
Gibt es Angebote für Menschen mit Behinderung?
Ja. Selbsthilfegruppen und Vereine bieten Begegnung mit Menschen in ähnlicher Lage. Über die Eingliederungshilfe kann auch eine Assistenz für Freizeit und Teilhabe finanziert werden.
Wir kommen gern vorbei
SKWT e.V. ist ein Verein, anerkannt nach § 45a SGB XI. Rund 90 Helferinnen und Helfer unterstützen etwa 180 Klientinnen und Klienten im Landkreis Waldshut und im Landkreis Konstanz, mit Hilfe im Haushalt und mit Zeit für ein Gespräch. Rufen Sie uns an: 07751 9212158, Montag bis Donnerstag von 9 bis 12 Uhr.
