„Früher bin ich jeden Morgen zum Bäcker gelaufen. Heute schaffe ich nicht mal die Treppe.“ Herr K. sagt das am Telefon ganz ruhig. Erst nach einer Weile kommt der Satz, um den es eigentlich geht: „Ich erkenne mich selbst nicht mehr.“ Solche Gespräche führen wir oft. Mit Menschen nach einem Schlaganfall, mit Rheuma, mit schlechten Augen, mit einem Rollator, den sie eigentlich gar nicht wollten. Und fast immer steckt hinter der Frage nach Hilfe im Haushalt noch eine zweite Frage: Wie soll ich damit leben?

Eine fertige Antwort haben wir nicht. Aber wir haben vieles gehört, was Menschen geholfen hat. Davon erzählen wir hier.
Sie dürfen traurig sein
Wenn der Körper schwächer wird, verliert man etwas. Manchmal ist es das Autofahren, manchmal der Garten, manchmal das Gefühl, für sich selbst sorgen zu können. Über so einen Verlust darf man traurig sein. Auch wütend. Das ist keine Undankbarkeit und kein Jammern. Es ist eine Art Trauer, und Trauer braucht Zeit.
Viele sagen zu sich selbst: „Anderen geht es noch schlechter.“ Das stimmt vielleicht. Aber es macht den eigenen Kummer nicht kleiner. Es hilft meistens mehr, ehrlich zu sein: „Das ist gerade schwer für mich.“ Wer das aussprechen kann, ob vor sich selbst oder vor einem Menschen, dem er vertraut, dem wird oft schon etwas leichter.
Was noch geht, statt was nicht mehr geht
Eine Klientin von uns hat früher Kuchen für die ganze Familie gebacken. Nach der Hüftoperation ging das nicht mehr. Lange hat sie gar nicht mehr gebacken. Dann hat sie angefangen, mit ihrer Helferin zusammen zu backen. Die Helferin rührt und trägt, sie selbst sagt, was hineinkommt, und probiert. „Der Kuchen ist derselbe“, hat sie uns gesagt. „Nur die Arbeit ist anders verteilt.“
Darum geht es: nicht alles aufgeben, sondern anders machen. Fragen Sie sich ruhig einmal, was Ihnen früher wirklich Freude gemacht hat. Und dann: Welcher kleine Teil davon geht heute noch? Vielleicht nicht mehr die lange Wanderung, aber eine Runde um den Block mit einer Pause auf der Bank. Vielleicht nicht mehr das ganze Buch, aber ein Hörbuch.
Hilfe annehmen ist keine Niederlage
Das ist für viele der schwerste Schritt. Wer sein Leben lang alles allein geschafft hat, dem fällt es schwer, sich beim Anziehen oder beim Einkaufen helfen zu lassen. Manche haben Angst, anderen zur Last zu fallen. Andere schämen sich.
Wir sehen es oft anders herum. Wer sich bei den schweren Dingen helfen lässt, hat mehr Kraft für die schönen. Wenn jemand anderes die Fenster putzt, bleibt Zeit für den Kaffee mit der Nachbarin. Hilfe nimmt Ihnen nicht das Leben aus der Hand. Sie entscheiden weiterhin, was gemacht wird und wie.
Wer einen Pflegegrad hat, kann für Hilfe im Alltag Geld von der Pflegekasse bekommen. Wie das geht, erklären wir in Haushaltshilfe über die Pflegekasse und Pflegegrad beantragen.
Kleine feste Punkte im Tag
Wenn vieles unsicher wird, geben kleine Gewohnheiten Halt. Morgens zur gleichen Zeit aufstehen, auch wenn kein Termin ansteht. Das Fenster öffnen und ein paar Minuten hinausschauen. Ein Telefonat am Nachmittag. Ein Plan für den nächsten Tag, und sei er noch so klein.
Und loben Sie sich ruhig. Wer mit Schmerzen den Einkauf geschafft hat, hat etwas geleistet. Das darf man sich auch sagen.
Reden hilft, auch mit Fremden
Manchmal möchte man die eigenen Kinder nicht belasten. Dann kann ein Gespräch mit jemandem helfen, der nicht zur Familie gehört.
Die TelefonSeelsorge ist Tag und Nacht erreichbar, kostenlos und anonym: 0800 111 0 111, 0800 111 0 222 oder 116 123 (telefonseelsorge.de). Man muss nicht in einer Krise sein, um dort anzurufen.
Für Menschen ab 60 gibt es das Silbertelefon von Silbernetz: 0800 4 70 80 90, täglich von 8 bis 22 Uhr, ebenfalls kostenlos und anonym (silbernetz.org).
Sehr gut tun vielen auch Selbsthilfegruppen. Dort sitzen Menschen, die dasselbe erleben, ob nach einem Schlaganfall, mit Parkinson oder mit einer Sehbehinderung. Man muss dort nichts erklären, die anderen verstehen es sowieso. Gruppen in der Nähe findet man über die Kontaktstellen, die die NAKOS auflistet.
Wenn die Traurigkeit bleibt
Traurige Tage gehören dazu. Wenn aber über Wochen fast nichts mehr Freude macht, Sie schlecht schlafen, kaum noch essen oder denken, dass alles keinen Sinn mehr hat, dann ist das mehr als ein schlechter Tag. Dann kann eine Depression dahinterstecken, und die ist auch im Alter gut behandelbar.
Sprechen Sie dann bitte mit Ihrer Hausärztin oder Ihrem Hausarzt. Einen Termin für ein erstes Gespräch bei einer Psychotherapeutin oder einem Psychotherapeuten vermittelt die Terminservicestelle unter 116117 (116117.de). Wenn Sie daran denken, sich etwas anzutun, rufen Sie sofort die TelefonSeelsorge oder den Notruf 112 an.
Für Angehörige: da sein, ohne alles abzunehmen
Wenn die Mutter nach dem Sturz unsicher geworden ist, möchte man ihr am liebsten alles abnehmen. Das ist liebevoll gemeint. Oft fühlt es sich für sie aber so an, als würde ihr noch mehr weggenommen. Fragen Sie lieber: „Was möchtest du selbst machen, und wobei soll ich helfen?“ Und hören Sie zu, auch wenn sie klagt. Nicht jede Klage braucht eine Lösung. Manchmal braucht sie nur jemanden, der sagt: „Ja, das ist wirklich schwer.“
Häufige Fragen
Ist es normal, dass ich wegen meiner Krankheit so traurig bin?
Ja. Wer Fähigkeiten verliert, trauert darum. Wenn die Traurigkeit aber über Wochen alles bestimmt, sollten Sie mit Ihrer Hausärztin oder Ihrem Hausarzt sprechen.
Wo kann ich kostenlos mit jemandem reden?
Bei der TelefonSeelsorge rund um die Uhr unter 0800 111 0 111, 0800 111 0 222 oder 116 123. Menschen ab 60 erreichen das Silbertelefon täglich von 8 bis 22 Uhr unter 0800 4 70 80 90.
Wie finde ich eine Selbsthilfegruppe?
Über die Selbsthilfekontaktstellen in Ihrer Region. Eine Liste mit Adressen gibt es bei der NAKOS.
Ich möchte niemandem zur Last fallen. Was kann ich tun?
Hilfe für schwere Aufgaben bei einem anerkannten Dienst kann über die Pflegekasse bezahlt werden, wenn ein Pflegegrad vorliegt. Dann müssen Sie nicht immer die Familie fragen.
Wir sind für Sie da
SKWT e.V. ist ein Verein, anerkannt nach § 45a SGB XI. Unsere Helferinnen und Helfer unterstützen Menschen im Landkreis Waldshut und im Landkreis Konstanz im Haushalt und im Alltag, und sie haben Zeit für ein Gespräch. Rufen Sie uns an: 07751 9212158, Montag bis Donnerstag von 9 bis 12 Uhr, oder schreiben Sie an info@sk-wt.de.
